Das Bayat (Treuegelöbnis)

Bayat (Bindung, Loyalität, Treueschwur) bedeutet, seinen Murshid Kamil (Spiritueller Führer, der die Ebene der Vollkommenheit erreicht hat) als Wegweiser zu akzeptieren, um die höchste Ebene der Erkenntnis (Marifat) zu erreichen und ihm in jenem Umfang im Dienste zu stehen, wie es sein Sufi-Meister vorgesehen hat.

Awliya sind die Wegweiser auf Allahs Weg. Ohne einen Wegweiser und ohne Nachweise und Bedingungen kann man sich nicht auf die Reise der Marifatullah (Erkenntnis Allahs) begeben. Auch der Prophet Muhammed (sas) hat die Himmelfahrt (Miraj) mit der Wegweisung des Engels Jibril (Gabriel) erlebt. Jibril wies ihm (sas) den Weg. Auf diese Weise gelangten sie bis zur Ebene Sidra-i Muntaha. Anschließend kam ein anderer Engel Namens Refref. Auch er wies dem Propheten Muhammed (sas) bis zu einem gewissen Punkt den Weg. Daraufhin sah der geliebte Muhammed (sas) Allah mit seinen eigenen Augen in einer Periode außerhalb von Ort und Zeit und sprach mit Ihm neunzigtausend Worte.

Allah gebietet: „Gewiß, diejenigen, die dir den Treueid leisten, leisten (in Wirklichkeit) nur Allah den Treueid“ (Sure 48, Vers 10). Jene Geschwister, die für einen erhabenen Weg, wie des Muhammediyya Weges den Treueid geleistet haben, haben Abdulqadir Gilani den Treueid geleistet. Wer ihm die den Treueid geleistet hat, von dem wird angenommen, dass er dem Propheten Muhammed (sas) und Allah die Treue geschworen hat.

Jene Flüsse, die in das Meer münden und sich mit diesem vermischen, gelten als Meerwasser. So gelten die Geschwister, die die Pforte eines Awliya (heilige Gottesfreunde) aufsuchen und sich an diesen binden, als Auserwählte des Gottesweges. In der Gemeinschaft von Abdulqadir Gilani, zählen diese Geschwister zu der Gemeinschaft der Awliya. Die Bittgebete des Sufis erreichen mit den Bittgebeten der Awliya die Ebene der Erfüllung.

Das Bayat (Bindung, Loyalität, Treueschwur) kann man an folgendem Beispiel erklären:

Ein Hirsch, der von einem Hund erlegt wird, gilt nach islamischen Richtlinien als rituell unrein und somit als ungenießbar. Lässt der Jäger sein Jagdtier los und spricht dabei „Bismillah“, so ist der erlegte Hirsch rituell rein und genießbar, ganz gleich ob das Jagdtier die Beute lebend oder getötet zurückbringt. Weil der Jagdhund an den Jäger gebunden ist, wird die Tätigkeit des Jagens dem Jäger zugeschrieben und die Gegebenheit wird derart bewertet, als habe der Jäger selbst die Beute erlegt. Die Taten derjenigen, die ihr Bayat gegeben haben, werden aus der Sicht Allahs den Ahlullah (Gefolgsleute Allahs) zugeschrieben und somit auf der Ebene der Erfüllung bewertet. Aus diesem Grund bedeutet das Leisten der Bayat, den Ahlullah zu dienen und ihre spirituelle Hilfe zu erfahren.

Nun, wer sich Allah widmen möchte, sollte die Angelegenheit damit angehen, sein Bayat für den Weg der Ahlullah zu leisten. Das Bayat, das in wahrem Sinne ein Bekenntnis zur Ergebenheit sein sollte, bedeutet, dass der Sufi seinen Willen dem Willen seines Sufi-Meisters übergibt.  In dieser Hinsicht treten bei denen, die ihre Herzen an das Herz ihres Sheikhs gebunden haben, einige Zustände in Erscheinung. Diese Zustände, sowie spirituelle Eingebungen übertragen sich auch auf weitere Sufis, sobald sie sich die Hand geben. Der Gesandte Allahs Muhammed (sas) gebietet: „Wer wem ähnelt, gehört zu ihm.“

Ein weiterer Punkt, der im obigen Ausspruch des Propheten zum Ausdruck gebracht wird, ist dass der Murid (Geführter, Sufi-Schüler) einen Anteil an der Fürsprache des Propheten haben wird. Als ein Teil vom Ganzen wird der Sufi auf die Ebene der Fürsprache erhoben und kann für seine Eltern Fürsprache einlegen. Je nach ihrem Grad werden Sufis für drei bis 70 Menschen Fürsprache einlegen dürfen. […]

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