Das tägliche Rabita

Rabita bedeutet, dass das Nour-u Muhammediyye (das Licht Muhammeds), welches auf Awliya (heilige Gottesfreunde) übertragen wird, das Herz des Großmeisters füllt und von dort aus in die Herzen  seiner Schüler fließt.

In der hohen Tariqa geht das Nour in die Herzen der spirituellen Führer über, das dann wiederum in die Herzen der Schüler fließt und ihm dadurch die Türe zu Ilham (die Eingebung verborgenen Wissens), Ferasat (Vorahnung) und Mubasherat (Eingebung über zukünftige oder verborgene Angelegenheiten) geöffnet wird. Um Wege und Türe für das Nour zu öffnen, leistet der Schüler zunächst sein Bayat (Treueschwur) bei seinem Sheikh, bindet sein Herz an das Herz des Sheikhs und vollführt das Rabita. Zwischen Herzen existieren Wege.

Das Ziel beim Rabita ist, von der spirituellen Kraft (Fayz), die von einem Herzen in das andere übergeht, zu nutzen und durch das Nour Muhammeds, das bis zum Herzen des Sufi-Schülers fließt, die Türen zu Ilham (die Eingebung verborgenen Wissens) im eigenen Herzen zu öffnen. Dieses kann man anhand folgenden Beispiels erklären:

Ein Fötus ist im Bauch der Mutter über die Nabelschnur an seine Mutter gebunden. Durch diese Bindung kann er von der Ernährung der Mutter seinen Nutzen ziehen. Wenn diese Schnur aufgrund einer Verursachung reißt oder seine Funktion verliert, stirbt der Fötus im Mutterbauch. Denn das Kind wird durch diese Bindung genährt und wird somit vollkommen, so dass es als Folge auf die Welt kommt. So ist das Rabita wie diese Nabelschnur. Über den Weg des Rabita gehen alle Zustände des Sheikhs, wie Fayz (spirituelle Kraft), Ashq (die höchste Stufe der Liebe) und Muhabbat (Liebe, Zuneigung) auf seinen Schüler über bis dieser vollkommen wird. Auf diese Weise wird der Sufi-Schüler vollkommener und empfängt Ilham, Eingebung verborgenen Wissens.

Jene Geschwister, die dem Murshid (Großmeister) Sheikh Sayyid Muhammed Efendi, dem Nachfahren des Propheten folgen, vollführen ihr Rabita jeden Tag regelmäßig. Das Rabita zum Sheikh wird wie folgt vollzogen:

Im rituell reinen Zustand (rituelle Waschung Wudhu) wendet man sich der Qibla (Richtung Kabaa) zu und spricht zunächst folgende (Lobpreisungs-)Gebete:

100 malAstaghfirullah“ und zum Schluss “Astaghfirullah al-Azîm al-Karim ellazî lâilahe illâ Hû al-Hayya’l-Kayyuma wa atûbu ilayh

11 mal Salawati Sharif „Allahumma salli ala Muhammedin wa ala alihi wa sahbihi wa sallim

20 mal Basmala-i Sharif “Bismillahirrahmanirrahim

1 mal Sure Al-Fatiha

3 mal Sure Al-Ikhlas

Im Anschluss spricht man “Destur Ya Sheikhim Sayyid Hazretleri – Ich bitte um Erlaubnis mein verehrter Sheikh Sayyid.“ und bittet in dem Sinne um Erlaubnis und schließt die Augen. Der Sufi, der sich von nun an seelisch in der Anwesenheit des Sheikhs befindet, ergibt sich derart dem Nour (Licht) des Sheikhs, als würde er sich darin verlieren. In spiritueller Andächtigkeit stellt er sich seinen Sheikh vor bzw. verbildlicht sich ihn. Auf diese Weise fließt Nour in das Herz des Sufis.

Mindestens 5 Minuten lang versucht der Schüler diesen spirituellen Zustand zu verinnerlichen und setzt das Rabita so lange wie möglich fort, hört jedoch auf bevor er Überdruss verspürt. Das Rabita stärkt nämlich die Bindung zwischen dem Meister und seinem Schüler und erhöht sein Ansehen bei den Awliya.

Sobald der Sufi aus seinem Rabita treten möchte, bittet er mit den Worten „Destur ya Sheikhim Sayyid Hazretleri – Ich bitte um Erlaubnis mein verehrter Scheikh Sayyid“ um Erlaubnis und wendet sein Gesicht (wie beim Abschluss des rituellen Gebets) über seine rechte und linke Schulter uns spricht dabei jeweils den Gruß „As-salamu alaikum wa rahmatullah“.

Im Anschluss des Rabita rezitiert der Sufi

1 mal Bismillahirrahmanirrahim

1 mal Sure al-Fatiha

3 mal Sure al-Ikhlas

und beginnt sein Dua (Bittgebet) mit „Subhâne rabbika rabbi’l-izzati ammâ yasifûn wa salâmun ala’l-mursilîn wa’l-hamdulillâhi rabbi’l-âlemîn“ und schenkt die erworbenen Verdienste (Hasanat) als Erstes der Seele des Propheten Muhammed (sas), den Seelen aller Sheikhs und Großsheikhs des Qadiriyya Weges  und den Seelen der Ahlullah, die diesem Weg gedient haben und der Seele unseres Sheikhs Sayyid Muhammed Efendi.

Der Sufi muss sein Rabita fortführen bis dieser die Ebene Fana Fi Sheikh erreicht hat, auf der er mit seinem Meister eins wird und sich in ihm auflöst bzw. bis er eine Anordnung von seinem Sheikh bekommt. Das dreifache Rabita, welches unseren Propheten Muhammed (sas), Pir Abdulqadir Gilani (ks) und Sheikh Sayyid Muhammed Efendi (ks) einschließt, darf nur auf besondere Anweisung unseres verehrten Sheikhs vollzogen werden. So wie ein Arzt seinem Patienten die nötigen Medikamente verschreibt, verordnet Sheikh Sayyid Muhammed Efendi seinem Schüler die nötige spirituelle Medizin, die ihm zu Gute kommt. Außerhalb dieser Anweisungen zu handeln wird dem Sufi nichts nützen; darüber hinaus werden ihn spirituelle Bedrängnis und Beschwerden heimsuchen.

Ein Sufi darf niemand anderen in sein Rabita einschließen als den eigenen Sheikh. Wenn er andere Personen in sein Rabita mit einschließt, gerät sein gesamter Leib in Aufruhr und sein spirituelles Gleichgewicht nimmt erheblichen Schaden.

Wenn der Meister eines Sufis stirbt, vollzieht der Schüler das Rabita mit seinem verstorbenen Sheikh so lange weiter, bis ein Nachkomme des Propheten aus dem Familienstamm des Sheikhs zur Vollkommenheit heranreift und den Platz des verstorbenen Sheikhs einnimmt. Erst ab diesem Zeitpunkt schließt der Schüler seinen zweiten Sheikh in das Rabita ein.

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