Die Bedeutung der Hingabe auf diesem Wege

TeslimiyetAuf dem Wege des Derwisch-Seins steht die Hingabe zum Sheikh im Vordergrund. Die Hingabe eines Murids (Sufi-Schüler) ist wie folgt: Abraham (Friede sei mit ihm) sprach zu seinem Sohn Ismail (Friede sei mit ihm) wie folgt: „Mein Sohn, Gott hat mir offenbart, Dich Ihm zu opfern. Ich werde Seinem Befehl folgen und dich opfern.“ Ismail (as) antwortete „Mein Vater, ich werde Gottes Befehl nicht widersprechen und Ihm Folge leisten. Jedoch wirst du, während du mich opferst, bestimmt Mitleid haben. Deshalb binde meine Hände und Füße zusammen, denn ich möchte dir nicht zur Last fallen.“ und spricht weiter „Außerdem ist es besser, wenn ich währenddessen von dir mein Gesicht abwende, denn ich möchte nicht, dass du zögerst, während du Gottes Befehl erfüllst. Meine Mutter liebt mich sehr, ich möchte nicht, dass ihr Herz zerbricht, richte ihr meinen Gruß aus und erkläre ihr mit schönen Worten, dass es ein Befehl Gottes war.“  (Sure 37, Vers 102-108)

Ein Muslim hat die Pflicht, Gott gegenüber Hingabe zu zeigen. Als der Prophet Abraham (as) von Menschen auf einen brennenden Scheiterhaufen geworfen wurde, gerieten die Engel der Himmel in Aufregung und flehten Allah wie folgt an: „Ein Geschöpf erwies Dir seine Dienste und leistete dir Folge. Er wusste um Dich und kannte Dich. Wirst Du es zulassen, dass er von einem solch aufständischen, leugnenden Volk solch ein Unheil erfährt und auf den Scheiterhaufen geworfen wird?“ Allah, der Erhabene erwiderte: „Ihr kennt nicht Meine Weisheit.“ In dem Moment als Abraham ins Feuer geworfen wurde, schickte Er Seine Engel zu Hilfe. Der Engel des Wildwassers sagt: „Ich werde pusten und dieses Feuer vernichten, indem ich es zu einem See mache.“ Und der Engel des Windes sagt: „Ich werde mit dem Wind dieses Feuer auslöschen.“

Der Prophet Abraham rezitiert in dem Moment den Vers “Hasbiyallahu wa Ni’ma’l wakil“ – „Unsere Genüge ist Allah, und wie trefflich ist der Sachwalter!“ (Sure 3, Vers 173). Da Abraham Allah als Sachwalter akzeptiert, befiehlt Allah dem Feuer „Ändere deine Eigenschaft gegenüber Abraham. Erkalte, aber gefriere nicht!“ Wenn der Befehl des Nicht Gefrierens nicht wäre, so wäre Abraham mitten im Feuer vor lauter Kälte erfroren. Wer zu Allahs Freund wird, der wird jeden und alles zu seinem Freund haben.

Wenn ein Murid (Geführter, Sufis-Schüler) sich seinem Murshid (Führender, Ordensführer durch besondere Befugis) hingibt, gibt er sich dem Gesandten Allahs und Allah selbst hin. Allah der Erhabene verheißt „Wer dem Propheten Folge leistet, leistet (in Wirklichkeit) Allah Folge.“ (Sure 4, Vers 80) Diese Ergebenheit gewinnt erst dann an Wert, wenn der Murid gewisse Eigenschaften aufweist. Er hat sich Eigenschaften des Propheten Muhammed anzueignen, was nur möglich ist, wenn man auf das Verhalten und die Lebensweise des Gesandten Gottes Acht gibt und nach diesen eifert. Allah, der Erhabene gebietet wie folgt: „Die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die Schlechtes auf gute Weise verbannen; Gaben, die Wir ihnen zuteil kommen lassen, für das Wohlgefallen Allahs nutzen. Und wenn sie unbedachte Rede hören, wenden sie sich davon ab und sagen: ‚Wir haben unsere Taten und ihr habt eure Taten (zu verantworten). Friede sei auf euch! Wir trachten nicht nach (dem Umgang mit) den Toren’.“ (Sure 28, Vers 54-55)

Aus diesem Grund haben Sufis selbst gegenüber missmutigen Menschen nachsichtig zu sein. So wie Allah es gebietet sind sie „diejenigen, die maßvoll und mit Demut auf der Erde umhergehen und die, wenn die Toren sie ansprechen, (ohne verletzend zu sein) ‚Frieden!’ sagen und weiterziehen. Und (auch) diejenigen, die keine Falschaussage bezeugen und, wenn sie im Vorbeigehen unbedachte Rede (hören), würdevoll weitergehen.“ (Sure 25, Vers 63 und 72) Sufis sollten sich also nicht auf jene Menschen einlassen bzw. sich nicht mit jenen auseinandersetzen, die sich selbst und ihre Grenzen nicht kennen. Jene, die danach Streben auf dem Wege der Ahlullah (Gefolgsleute Allahs) zu gehen, sollten sich folgende Charakterzüge aneignen: Ergebenheit bzw. Hingabe, Aufrichtigkeit und Loyalität, Bereitwilligkeit, das Gebieten von Gutem und das Ablehnen von Schlechtem, Reue und das Streben nach Vergebung, Treue, Freundschaft mit Awliya (heilige Gottesfreunde) und ihnen Folge leisten, nach dem Weg Gottes eifern und diesen kundtun, Geduld, Bittgebete (Dua), das Besuchen von Grabstätten und die mentale Vorbereitung auf den Tod und das Jenseits, die Ahlubayt (Nachkommen des Propheten Muhammed) lieben und ihnen dienen, die Werke seines Sufi-Meisters häufig lesen und an seinen Predigten teilnehmen, bei Entscheidungen seinen Sufi-Meister oder dessen Vertreter (Wakil) um Rat fragen und sich von der Liebe zum Materiellen entfernen.

Die Hingabe seinem Sufi-Meister gegenüber ist die wichtigste Voraussetzung für den Schüler, um sich der Vollkommenheit zu nähern. Die Sufis, deren Hingabe tadellos ist, erreichen eine Ebene (namens Fana Fi Sheikh), auf der sie mit ihrem Meister eins werden und sich in ihm auflösen. Die Bedingung dabei ist, dass der Sufi-Schüler seinen Willen in dem Willen seines Meisters verliert. Erst darauf folgend können Sufis Grad für Grad die Ebene (Bakâ billah) erreichen, auf der sie mit Eigenschaften beschmückt sind, mit denen Allah zufrieden ist. Der Person, deren Ergebenheit Mangel aufweist, bleibt das Tor des Marifatullah (Erkenntnis über Allah) verschlossen. Dennoch wird ihr der Verdienst (Hasanat) für ihre Gottesdienste und gute Taten zuteil kommen. Das Ziel der Ergebenheit ist, Krankheiten wie Hochmut und Missgunst zu behandeln. Schließlich sind die Krankheiten Hochmut und Missgunst (Neid) die Quelle aller Sünden und schlechten Taten. Der Shaitan Iblis (Teufel) wurde einst wegen seines Hochmuts von der Barmherzigkeit Allahs ausgeschlossen. Der größte Schaden dieser zwei Eigenschaften ist, dass sie die charakterlich ursprünglich reine Beschaffenheit des Menschen zerstören. Ebenso fügen Organe, die ihre funktionelle Beschaffenheit verloren haben, der Seele und dem Körper des Menschen Krankheiten zu. Es ist offenkundig, dass die göttlichen Phänomene nicht in einem Herzen wirken können, das seine ursprünglich reine Beschaffenheit verloren hat. Allah, der Erhabene offenbart wie folgt: „[…] und ihre Herzen wurden versiegelt; so verstehen sie nicht.“ (Sure 9, Vers 87)

“(Oh Muhammed) Hast du den gesehen, der sich seine eigene Neigung zum Gott nimmt und den Allah auf Grund (Seines) Wissens zum Irrenden erklärt und dem Er Ohren und Herz versiegelt und auf dessen Augen Er einen Schleier gelegt hat? Wer sollte ihn außer Allah wohl richtig führen? Bedenkt ihr denn nicht?“ (Sure 45, Vers 23)

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