Die Praxis des Halaqa-Dhikrs (Dhikr-Kreis)

In der Qadiriyya Tariqa kann das Dhikr an jedem Ort verrichtet werden, sobald drei Murids (Sufi-Schüler) zusammentreffen. Denn unser Prophet Muhammed verhieß „Die ganze Erde entspricht einer Gebetstätte (Masjid)“. (siehe Buhârî, Teyemmum, 1; Muslim, Mesâcid, 3.)

devranIn dem Qadiriyya Muhammediyya Orden kann man den offenkundigen (Jahri/Djahri/Cehri) Dhikr an jedem Ort vollführen, am dem man auch das rituelle Gebet verrichten kann. Das Dhikr leitet der Murshid (Sufi-Großmeister) oder sein Wakil (VertreterIn) oder jemand, der von einem dieser die Erlaubnis dafür bekommen hat. Wenn unter den Murids solche Gegebenheiten nicht bestehen, wählen sie gemeinsam jemanden, der den Dhikr leiten soll. Bei dem Halaqa-Dhikr (Dhikr-Kreis) gibt es keine örtliche oder zeitliche Einschränkung. Um einen Dhikr-Kreis bilden zu können, benötigt man jedoch die Erlaubnis unseres verehrten Sheikhs. Die Qadiriyya-Schüler setzen sich im rituell reinen Zustand (Wudhu), meist auch im Anschluss des rituellen Gebets, in einen Kreis. Sie können auch gerade Reihen bilden, die sich gegenüber liegen. Jedoch ist es spirituell vorzüglicher einen Kreis zu bilden. Jene, die keine Sufis sind oder einer anderen Tariqa angehören, können mit der Erlaubnis am Dhikr-Kreis teilnehmen. Außerdem können sie auch direkt hinter dem Kreis Platz nehmen. Das Dhikr, welches man im Sitzen verrichtet nennt man „Quudî Dhikr“ und in der Regel wird sowohl das Wîrd (tägl. Tasbih-Aufgabe) als auch das Dhikr auf diese Weise verrichtet. Dabei kniet man auf dem Boden, wippt auf und ab, verneigt den Oberkörper oder nur den Kopf nach rechts und nach links.

Das Dhikr, welches man im Stehen verrichtet, nennt man „Qiyâmî Dhikr“. Hierbei werden in der Regel das Tawhid („Lailaheillallah“), Ismi-Jalal („Allah“), Ismi Hayy („Hayy“) und Ismi Hu („Hu“) rezitiert. Man verneigt sich nach rechts und links, hält den nebenan Stehenden an der Hand oder hakt sich bei ihm ein, oder legt seine Hand auf die Schulter des rechten Partners und seine linke Hand an den Rücken des linken Partners und bewegt sich nach rechts und links, pendelartig hin und her. Sobald sich der Dhikr-Kreis nach links oder rechts fortbewegt, wird dies als „Dewrani Dhikr“ bezeichnet. Man setzt mit dem rechten Fuß den ersten Schritt nach rechts und hält den linken Fuß etwas hinten, bewegt sich im Einklang nach rechts und links und dreht sich somit als ein Kreis am Ort des Dhikrs. Man rezitiert „Allah“, „Hayy Hayy“, „Huu Huu“, „Allah Hay“, „Ya Allah Hayy“ und weitere Asmaa-Dhikr. Das Dhikr mit Anasheed (religiöse Lieder) und mit Instrumenten wie Bandir, Daf, Kudum, Nay, Halile, u.ä. zu begleiten, wird als erlaubt angesehen.

Es ist wichtig, das Dhikr nach seinen Prinzipien und mit dem nötigen Anstand zu verrichten, die Harmonie und den Einklang nicht zu stören und den Dhikr-Kreis ohne die Erlaubnis des Leitenden bzw. ohne dringlichen Grund nicht zu verlassen. Außerdem ist es von Nöten, seine Aufrichtigkeit, reine Absicht (Ikhlas) und Frömmigkeit (Taqwa) stets im Auge zu behalten, sich von Angeberei und Imponiergehabe (Riya) fernzuhalten und Gedanken, Worte und Taten jeder Art, die die Wahrnehmung spiritueller Kräfte während des Dhikrs verhindern, zu entsagen.

Ein Teil des Halaqa Dhikrs, das unser Großmeister Sheikh Sayyid Muhammed Efendi uns über viele Methoden gelehrt hat, wird wie folgt verrichtet:

Audhu Basmala (Audhubillahiminashaitanirrajim Bismillahirrahmanirrahim)

Innallâhe wa Malâikatahû Yusallûne Alannabiy, Yâ Eyyühallazîna Âmenû Sallû Aleyhi ve Sallimû Teslîmâ

Sâlât-ı Sharîf (as-Salâtu wa’s-Salâmu alayke yâ Rasûlallâh, as-Salâtu wa’s-Salâmu alayke yâ Habîballâh, as-Salâtu wa’s-Salâmu alayke yâ Sayyida’l-Awwalîna wa’lÂhirîn wa Salâmun ala’l-Mursalîn wa’l-Hamdu lillâhi Rabbi’l-Âlemîn)

Das Wîrd der Tariqa (Abdulqadir Gilanis Salawat bzw. Dua)

1 mal Sure an-Nasr

1 mal Sure al-Fatiha

3 mal Sure al-Ikhlas

Nach der Rezitation einer jeweiligen Sure wird jedes Mal „Allahu Akbar, Lâilaheillallâhu Allahu Akbar, Allahu Akbar wa lillâhilhamd“ gesprochen.

Sâlât-ı Sharîf (as-Salâtu wa’s-Salâmu alayke yâ Rasûlallâh, as-Salâtu wa’s-Salâmu alayke yâ Habîballâh, as-Salâtu wa’s-Salâmu alayke yâ Sayyida’l-Awwalîna wa’lÂhirîn wa Salâmun ala’l-Mursalîn wa’l-Hamdu lillâhi Rabbi’l-Âlemîn)

11 mal Ismi Hû („Huuuu“. An dieser Stelle wird das Hû lange gesprochen)

Anschließend spricht man:

Destur Yâ Sheikhim, Destur Yâ Abdulkadir Gillânî, Teslimiz Yâ Rasûlüllah

(Bedeutung: „Ich bitte um Erlaubnis o mein Sheikh, ich bitte um Erlaubnis o Abdulqadir Gilani, wir sind dir ergeben o Rasulallah“)

Basmala Sharif 11-100 mal („Bismillahirrahmanirrahim“)

Sâlât-ı Sharîf (siehe oben)

Salawat („Allahumma Salli alâ Sayyidinâ Muhammedin wa alâ Âlihî wa Sahbihî wa Sallim“)

Astagfirullah al-Azim al-Karim allazî Lâilaheillâ Hû al-Hayya’l-Kayyûma wa Atûbu ilayh wa Asaluhu’t-tawbata wa’l-magfirate wa’l-hidâyete lenâ innahû Huwa’ttawwâbu’r-rahîm

(3 mal)

Istighfar 100 mal („Astaghfirullah“) und am Ende wird abgeschlossen mit „Astaghfirullah al-Azim al-Karim ellazî Lâilaheillâhû al-Hayya’l-Kayyûma wa Atûbu ilayh Tawbata Abdin Zâlimin li-nafsihî la Yamliku li-nafsihi Mawta’w-welâ Hayâte’wwelâ Nushûra.

Sâlât-ı Sharîf (siehe oben)

Wa’lam Annahû Lailaheillallah – „Lailaheillallah“ 100-300 mal

Rezitation der letzten Verse der Hashr-Sure. („Law Enzalna Haza’l-Qurana…“)

Bis hierhin wird das Dhikr als Quudî Dhikr, also im Sitzen, verrichtet und von nun an im Stehen weitergeführt.

„Lailaheillallah“ 100-700 mal und am Ende wird abgeschlossen mir „al-Maliku’l-Hakku’l-Mubîn Muhammadu’r-rasûlullah Sâdiku’lwa’di’l-emîn.“

Sâlât-ı Sharîf (siehe oben)

Ismi Jalal 100-1000 mal („Allah“) und am Ende abschließen mit „Jalla Jalaluhu wa amma Nawâluhû wa Lâilahe gayruh

Das Qiyâmî Dhikr wird mit weiteren Asmâs wie „Illallah, Allah, Allah Hayy, Hayy Hayy, Hû“, die die leitende Person zeigt, fortgesetzt. Dabei steigt das Tempo an und wird dann wieder langsamer. Wenn die Leitung ein Zeichen gibt, wird in das „Dewrani Dhikr“ übergegangen.

Man rezitiert Sâlât-ı Sharîf (siehe oben) und setzt sich wieder hin.

Sâlât-ı Sharîf (siehe oben)

Ismi Jalal 100-300 mal („Allah“)

Sâlât-ı Sharîf (siehe oben)

„Ya Latîf“ 100-300 mal

Es ist auch möglich das „Ya Latîf“ kurz zu halten und dazu noch Asma’ul Husna (die schönsten Namen Allahs) zu rezitieren.

Rezitation der letzten zwei Verse der Sure al-Baqara. („Amanarrasulu…“)

Dua (Bittgebet)

Die hier angegebene Anzahl von Dhikr kann von Seiten der leitenden Person verringert oder erhöht werden. Es gehört zum Anstandsverhalten des Dhikrs bzw. des Sohbets, im Anschluss der Dua in Begleitung von Takbir und Salawat-i Sharif sich die Hand zu geben und zu umarmen (Musafaha). 

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