Diejenigen, die ihre Position zum eigenen Vorteil nutzen

Nun, liebe Geschwister, wenn wir uns unseren Zustand ansehen… Die Probleme und Streitigkeiten zwischen diesen Tariqa-Leuten, gehen weit über Kritik hinaus.

Ob wir dies als Streit, Gezanke, feindliches Verhalten zueinander oder anderweitig bezeichnen, ist nicht sehr wichtig. Aber dieser Lärm und die Streitigkeiten können zwischen allen Gruppen, allen Gemeinschaften und sogar innerhalb dieser entstehen. Dies ist normal und ist wie der Streit der Kinder um eine hohle Walnuss. Eines Tages sah Abu Bakr Schibli (r.a.) zwei Kinder, die gegeneinander um eine Walnuss, die sie unterwegs gefunden hatten, kämpften. Sheikh Schibli nahm ihnen diese Walnuss und sagte:

,,Seid geduldig und ich werde an euch beiden diese Walnuss aufteilen!“,

Dann knackte er die Schale der Walnuss und sie sahen, dass der Nusskern fehlte. Just in diesem Moment, rief jemand:

„- Wenn du wirklich jemand bist, der das Schicksal verteilt, dann übergebe es nun doch!“ Schibli wurde verlegen und sagte:

,,Dieser ganze Streit war um Walnussschalen ohne eine Walnuss – um ein trockenes Nichts!´´

Dies ist die Zusammenfassung aller Streitigkeiten um alle Positionen und Ränge.

Selbst für einen Streit gibt es einen Stil und einen Weg. Wenn aber bei den Konflikten die Parteien keine Gleichwertigkeit bei Wissen, Weisheit und Moral haben, dann wird es lediglich zu einem beschämenden Ergebnis kommen.

Im Ursprung der Konflikte, in die wir schicksalhaft geraten sind, geht es um Dinge, die anvertraut worden sind und um Zuständigkeiten.

Die Veruntreuung von Anvertrautem hat zugenommen. Und wir haben Zuständigkeiten verloren.
Weder haben wir die muslimische Einstellung gegenüber Anvertrautem noch die Sicherheit dem Glauben keine Ungerechtigkeit beizumischen (vgl. Sure Anam, Vers 82) noch die Fähigkeit den Auftrag einer geeigneten Person zu geben (vgl. Sure Nisa, Vers 58), um Gerechtigkeit herzustellen. Wir sind auf dem Platz der Blinden und Hinkenden.

Aber das Anvertraute nicht zu veruntreuen und die Zuständigkeiten richtig festzulegen ist nicht nur ein guter Rat. Die Ordnung dieses Universums und die Gerechtigkeit als sein Grundstein kommen von ihnen. Dies ist ein Gebot an die Menschheit. Heutzutage vernachlässigen und veruntreuen wir in allen Bereichen. Es ist Allahs ganz anfängliche Warnung an uns. Möge mein Herr uns in dieser Angelegenheit die Fähigkeit zu verstehen geben und uns mit der Waage der Wahrheit messen und abwägen lassen.

Es gibt viele Beispiele, die ihr kennt und wisst. Aber wir können ein einfaches Beispiel geben: In der Türkei wurde nicht jeder zum Proffesor, nur weil er es verdiente einer zu werden. Professuren wurden nicht an diejenigen vergeben, die es hätten bekommen müssen. Jahrelang hat man sie warten lassen.

Professoren wurden eingesetzt abhängig von ihren Antworten auf Fragen wie:
Woher kommen Sie? Wer sind Sie? Welche Meinung haben sie zu..? Welche Ideologie haben Sie? Wem stehen Sie nahe?

Auch wenn wir die Rede mit ,,in früherer Zeit´´ beginnen, ist es so, dass seit dem ,,Asri Saadet´´-Zeitalter die Ummah an dieser Krankheit erkrankt ist und viele muslimische Staaten nur wegen dieser Krankheit von der Geschichtsbühne verschwunden sind. Wegen ihr schwächten sich die muslimischen Völker und fielen.

Leider kann ich nicht sagen, dass wir diese Krankheit losgeworden sind und uns davon erholen können. Die Muslime waren sehr überrascht darüber. Es geht über die Angelegenheit der Verteilung von Aufträgen an die Personen, die dafür geeignet sind.

An diesem Punkt sind auch viele Menschen überrascht, die behaupten, Sufismus-Fachleute zu sein und die Institutionen der Tariqa auf verschiedene Weisen übernommen haben. Überrascht sind auch die Gemeinden. Es besteht nicht einmal die Notwendigkeit, die Themen des Staates zu vermitteln. Wir alle können ohnehin die Dinge, die passieren mit den Augen unseres Körpers sehen.

Das wichtigste und gefährlichste Thema ist bezüglich der Aufträge, die im Namen der Religion, im Namen Allahs gegeben werden. Und es geht um die Pflichten, die Allahs Diener behaupten, im Namen Allahs zu tun. Auch wenn es ein etwas spitzes Beispiel ist, kann ich nicht weitermachen ohne es zu geben:
Die Einrichtung für religiöse Angelegenheiten gibt einem Imam die Leitung einer Moschee. Der Imam führt mit atheistischen Journalisten, Leuten aus dem Fernsehen ein Interview durch. Es verläuft sehr tragödisch und komödienhaft. Er erzählt ihnen: „Ich gehe meinen Job professionell an. Ich führe das Gebet für die Gemeinde, öffne meine Hand und bete, lese den Koran, führe die notwendigen religiösen Rituale durch…´´ Auf diese Weise erzählte er. Was dann geschah, weiß ich nicht. Aber dieser Speer passt nicht in diesen Sack. Er hat nicht hineingepasst und er wird es auch nicht. Das weiß ich. Solange diese Positionen und Ränge – angefangen vom Imam der Moschee bis zum Leiter der religiösen Angelegenheiten, vom Arbeiter bis zum Vizeminister nicht nach Wissen, nach Weisheit vergeben werden, sondern nach Interessenbeziehungen oder unfairen Methoden wird der Speer nicht hineinpassen.

Bei den Leuten der Tariqas ist diese Situation noch schwerwiegender: Wer mehr Männer um sich sammelt, wer mehr läuft, wer mehr richtiges oder falsches spricht oder wer eine Position besetzt, wer einen Standort gewinnt, ernennt sich dort selbst zum Kommandanten, zum Sheikh, Imam, Mahdi… . Möge Allah dieses Volk aus ihren Händen befreien, Amin. Unter diesen Menschen sind Gelehrte, Unwissende und Ungerechte. Es gibt diejenigen, die wissen und diejenigen, die nicht wissen. Aber strömend wird das Wasser fließen, sich reinigen, klarer werden und seinen Weg finden. Und zwar so wie Allah Zu’l Celâl es sagt: ,,Sind solche, die wissen, denen gleich, die nicht wissen?´´ (Sure Zumar, Vers 9) Sind Sufi-Meister und Leute der Nachahmung gleich? Sie sind nicht gleich. Die Leute der Nachahmung und die Leute, die die Wahrheiten mit ihren Beweisen kennen sind nicht eins.

Jemand geht raus und behauptet etwas. Er sagt: ,,Ich bin dies geworden.´´ , ,,Ich bin jenes geworden.´´ Jemand hat einen anderen verbal angegriffen. Ein anderer hat sich mit jenem gestritten. Diese Sprache der Straße oder der Leute, die sich das Lügen und Betrügen als ´´wissenschaftliche Politik´´ angewöhnt haben, ist die Sprache derjenigen, die vom Volk als Politiker bezeichnet werden.

Sie ist nicht die Sprache der Sufismeister und schon gar nicht ihr Zustand.
Bei den vermeintlichen Sufimeistern und Gemeinden, bei denen gegeneinander gezankt, gekämpft und verbal angegriffen wird, sich der eine Teil der Mitglieder für etwas höheres hält als der andere Teil, versucht wird sich gegenseitig zu erziehen, gegenseitige Denkanstöße gegeben werden, die Tariqa untereinander aufgeteilt wird, eine Börse der Idschaza gegründet und das Sheikhsein vermarktet wird, Gastfreundschaft erwiesen und dafür Begleitung erhalten wird, sind diese Haltungen Dinge und Zustände, die nicht im Islam, im guten Benehmen, in der Methodik, in der Sunnah al-Saniyyah enthalten sind, und die unangemessen sind.

In kleiner und in großer Größe hat es sie schon immer gegeben und es wird sie auch weiterhin geben. Sie sind aber so stark gewachsen, dass sie dem Glauben des Volkes schaden können. Das ist ein sehr trauriges Ereignis.

Diese Leute sagen: ,, Wir sind auf dem richtigen Weg sind.´´ ,,Wir allein haben Recht.´´ ,,Wir sind groß.´´ ,,Wir sind klein.´´ ,,Wir haben so und so viele Mitglieder.´´ und beanspruchen bestimmte Dinge auf dieser Erde ganz für sich.
Das ist schon immer so gewesen und es wird auch bis zum Weltuntergang so weitergehen.

Aber – Allahu Alem – weder finden sie den Wahrhaftigen noch werden sie Echtheit haben. So wie einige Kinder mit ihren Freunden zusammenkommen, einen Staat errichten und sich bei Einbruch der Dunkelheit in ihre Häusern zerstreuen, wird auch die Ordnung, die sie sich aufgebaut haben, früher oder später zusammenbrechen und sie aus der Gesellschaft verschwinden.

Liebe Brüder und Schwestern, unser Land befindet sich derzeit in einem Verbesserungsprozess. Es ist eine turbulente Zeit. Einige der Schwierigkeiten wurden überwunden. Aber die wirklichen Schwierigkeiten werden noch hiernach beginnen. Denn wenn etwas wieder aufgebaut wird, ein zusammengebrochener Tisch repariert wird, greift jeder mit aller Kraft eine Ecke an, um seinen Sitz, seine Position zu halten.

Wenn Allah es gewährt, werden in naher oder ferner Zeit, aber in einer Zeit, die kommen wird, inscha´allah, die Tariqas wieder in den Augen der Gesellschaft und des Staates zu ihrer Mission in der Geschichte zurückkehren und eine staatliche Identität erlangen. Aus diesem Grund greift jeder mit aller Kraft an, um einen Posten zu halten. Aber Allah der Wahrhaftige hat einen Willen.

Es ist Allah Zu’l Celâl persönlich, der diese Posten verteilt. Die Vorsichtsmaßnahmen der Diener können niemals das Schicksal überholen.

Allah, der den Propheten Moses im Palast des Pharao aufzog, zieht in dieser Umgebung der hohen Dichte zig Gelehrte, Abids und Awliya auf und versteckt sie bis die richtige Zeit gekommen ist. Allah erhöht und den, wen er will und setzt den, den er will herab und bringt ihn in einen beschämenden Zustand.

Möge Allah Zu’l Celâl uns von diesen Dingen fernhalten. Möge Er uns Seinen Wohlgefallen erreichen lassen. Dies reicht uns.

10.09.2014 Bielefeld

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