Seyri Suluk – Spirituelle Reise auf dem Wege Allahs

Die Pflicht eines Dieners im Islam ist angelehnt an die Fähigkeiten und Eigenschaften des Dieners. Wenn sich die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Dieners erweitern, mehren sich seine Pflichten. Die Türen der spirituellen Reise öffnen sich für diejenigen, die die Kraft, den Wunsch und die Fähigkeit haben, mehr als die Mindestangebote des Islam zu tragen. Auf dieser Reise, die Seyri Suluk genannt wird, steigen die Gläubigen, die die Fähigkeit haben zusätzlich zu den islamrechtlichen-Geboten aufzusteigen, mit freiwilligen Anbetungen, Zuhd, Taqwa, göttlichem Segen und vielen göttliche Gaben, zum Wahrhaftigen auf.

Diese spirituelle Reise, die mit der Ratgebung, der Übertragung und Führung eines Freundes von Allah, in Form einer spirituellen Disziplin ist, wird Seyri Suluk genannt. Diejenigen, die beabsichtigt haben auf diese Reise zu gehen, werden Talip und diejenigen, die mit Anstrengung entschlossen agieren, Saliq genannt.
Dieser Weg ist ein endloser Weg, der unzählige Stufen und Haltestellen hat.
Im Sufismus gehören die höheren Stufen den Muntehis. Und es gibt für das Aufsteigen keinen letzten Halt und keine Grenze. Im unteren Bereich sind Neulinge, die erst kürzlich auf den Weg des Glaubens und der Aufrichtigkeit gekommen sind. ,,Schau, wie Wir die einen von ihnen über die anderen erhöht haben.´´ (Sure Isra Vers 21)
Diejenigen Saliqs, die mit ihren Körpern nach dem islamischen Gesetz leben, arbeiten nach dem Gebot ,,…helft einander zum Guten und zur Gottesfurcht.´´ (Sure Maida Vers 2) daran gute Taten zu verrichten. Der erste Zustand dieser Anfangsphase ist z.B. dass man anderen keinen Schaden zufügt oder einen Stein, der auf der Straße liegt und einem Lebewesen wehtun könnte, aufhebt und auf den Straßenrand legt.
Aufgrund der unendlichen Stufen auf dem Weg des Sufismus ist es von unten gesehen fast unmöglich, das Obige ohne göttliche Hilfe zu sehen.
Auf diesem Weg sollte sich der Talip zunächst einem Wegweiser, einen Murschid für den Weg der Rechtleitung suchen.
,,O die ihr glaubt, fürchtet Allah und trachtet nach Mitteln, die euch näher zu Ihm bringen.´´ (Sure Maida Vers 35)
Ohne den Murschid kann man sich nicht auf diesen spirituellen Weg begeben. Der Weg ist lang, die Falle des Nafs, die Verführung und die Trügereien des Schaitan sind groß. Der Prophet Moses, Allahs Frieden auf ihm, der zu den Propheten mit einem Buch gehört, strebte nach dem Wissen des Al-Chidr und erklärte sich bereit, sein Schüler zu sein.
Während unser Prophet, Frieden und Segen auf ihm, auf der Himmelreise (Miraj) war, hatte er Gabriel als seinen Wegweiser. In einem Hadith sagt er, Frieden und Segen auf ihm: ,,Mein Herr hat mich erzogen. Wie gut er mein Benehmen schuf.´´ (Hadith Munawi, Feyz, 310)
Die Befehle von Allah erreichten den Gesandten Gottes durch Gabriel. Durch Gabriel als Lehrer hat unser Prophet die göttlichen Befehle an seine Gefährten vermittelt. Die Sunnatullah ist auf diese Weise verlaufen.

Die Freunde Allahs sind auf diesem spirituellem Weg die Wegweiser der Mürids. Auf dieser Reise der Wahrheit ist es zuerst notwendig, den Nafs zu reinigen und ihm die Mindesterziehung zu geben. Unser Prophet sagte: ,,Dein größter Feind ist dein Nafs, das zwischen deinen beiden Seiten ist.´´

Im Koran sagt Allah: „Die Freiheit wird erlangen derjenige, der seinen Nafs von dem Schlechten reinigt. Enttäuscht sein wird derjenige, der seinen Nafs im Schlechten begräbt.“ (Ash-Shams, 9-10)

Wenn der Talip den ersten Schritt auf die Stufe der Scharia macht, klammert er sich an die Anwendung der göttlichen Gesetze und geht durch die Tür der Tariqa. Diese Tür ist für den Mürid ein Mittel, um an die Essenz der Religion zu gelangen, das Wohlgefallen Allahs zu erlangen und im Diesseits und Jenseits die Glückseligkeit zu erreichen.

Hier wird ihm zunächst der Dhikr des Wahrhaftigen übertragen. Von Abu’d-Darda (r.a.) wurde überliefert, dass der Gesandte Allahs, Frieden und Segen auf ihm, sagte:

„Gebt Acht! Soll ich euch sagen, welche von euren Taten bei Allah die beste, die reinste (die am meisten Gefallen weckenste) und die am meisten erhöhende ist? Soll ich euch davon kundtun, was für euch besser ist, als das Spenden von Gold und Silber, das Treffen auf feindliche Krieger und Abschlagen ihrer Köpfe?´´

Sie sagten: „Ja, Gesandter Allahs!

Er sagte: „Es ist das Gedenken an Allah.“

Der Schüler wird bei seinem Kampf gegen den Schaitan und gegen die Lüste und Gelüste seines Nafs durch den Rat und die spirituelle Weisheit des Murschid Kamils geschützt.

Mit den den offenen Bemühungen des Mürids, der göttlichen Hilfe und der Befolgung göttlicher Gesetze beginnen sie die Reise der Gottesfurcht, über die Ali mit ,,Du hast mir gesagt, ich soll das Verbotene überspringen. Ich habe aber auch das Erlaubte übersprungen.“ sprach.

Der Murschid Kamil vermittelt und überträgt mit seinem Ilim Ledun dem Mürid die Namen und Eigenschaften Allahs. Damit überträgt er dem Mürid Wahrheiten innerhalb der Fähigkeiten und Fertigkeiten des Mürid.

Pir Abdulqadir Gilani (q.s.) erklärt Folgendes zu diesem Thema:

„Eine Person, die versucht, sein Nafs ohne die Führung des Murschid Kamils auszubilden, wird so sein sie wie jemand, der ein Gebäude ohne einen festen Boden errichtet.´´
Eine Person, die nicht von wertigen Menschen ausgebildet wird und nicht von der heiligen Milch genährt wird, ist wie ein verlassenes Kind, das mitten auf der Straße zurückgelassen wird. Wenn er nicht aus der Hand eines wachsamen und weisen Murschids mit dem Taqwa-Kleid angezogen wird, fällt er in die Falle seines Nafs. Sein Nafs spielt mit ihm, wie es wünscht und zieht ihn in abscheuliche Situationen.
Im Gegenteil werden jemandem, der sich an einen festen Griff klammert, die Geheimnisse seiner eigenen Existenz offengelegt.
Wer die Anweisungen seines Nafs befolgt und nicht auf seinen Murschid hört, hat wirklich keinen Anteil. Wenn eine Person das Merkmal der vollständigen Unterwerfung hat (Teslim-i Tamme), wird sie erfolgreich sein. Ansonsten wird sie nur das finden, was sie tut.“
Wenn ein Talip sagt: ,,Jesus, Allahs Frieden auf ihm, wurde ohne Vater erschaffen. Deshalb kann ich ohne einen Murschid ausgebildet werden und den Wahrhaftigen erreichen.´´, dann widerspricht dies der Sunnah Allahs. Ohne die Gabe Allahs, ohne einen Murschid gibt es kein Wegweisen. Wenn es jemanden gibt, dann ist es wie bei den 124.000 oder 224.000 Propheten, bei denen Jesus mit , einem Ausnahme-Schicksal diese Sonderstellung einnimmt. Und dann ist dies mit dem Wegweisen eines Awliyas aus der verborgenen Welt (Alem-i Mana) möglich. Allah hat es auf diese Weise eingerichtet. Er hat es so gewollt. Der Herr tut, was Er will, wie Er es will. Die Ausbildung mancher Saliqs über diesen Sonderweg ändert nicht den generellen Grundsatz. Die Tatsache, dass manche Reisende einen Schatz finden, zeigt uns nicht, dass sich in jeder Ruine ein Schatz befindet.
Ein Kamil Murschid ist wie die Sirat-Brücke. Er ist ein Übergang zwischen dieser Welt und der Heimstätte im Jenseits. An der Tür des Sheikhs lösen sich die Mürids auf und reinigen ihr Ego von schlechten Eigenschaften und Gewohnheiten wie Status, Gier, Neid, Überheblichkeit, Geiz, Lügen, übler Nachrede und Ungerechtigkeit.
Sie schmücken sich mit guten Eigenschaften wie Wissen, Sanftmut, Schamhaftigkeit, Enthaltsamkeit, Leben, Zuhd, Frömmigkeit, Einverständnis, Gerechtigkeit und wandern von der Unreife zum Vollkommenen.
Auf der Stufe des Ihsans unterwerfen sie sich und sind sie wohlgefällig dem Wahrhaftigen gegenüber, dem sie zuvor gegenüber unachtsam waren. Dort sind sie so als würden sie Ihn sehen.
Im Reich der Seelen und Welten übergeben sie ihren Willen dem Wahrhaftigen und erlangen damit das Geheimnis des Tauhid. Die Saliqs, die aus diesem Becken der Gotteskenntnis trinken, gelangen zur Wahrheit und das Licht Allahs erscheint bei ihnen. Dann sind sie von denen, über die der Prophet, Frieden und Segen auf ihm, sprach: ,,Sie sind solche Menschen, die an Gott erinnern, wenn sie gesehen werden.´´ (Hadith Taberi, 4/2731) Der Weg, sich an Allah zu erinnern, ist die Teilnahme an den Kreisen der Suhba, des Dhikrs und des Wissens und das Lernen des an diesen Orten vermittelten. ,,Wisset daß über Allahs Freunde (Awilya) keine Furcht kommt. Sie werden nicht traurig sein. Sie sind diejenigen, die da glauben und die Gottesfurcht erlangt haben. Für sie ist frohe Botschaft im diesseitigen Leben sowie im Jenseits. Unabänderlich sind Allahs Worte. Das ist wahrlich die größte Glückseligkeit.´´ (Sure Yunus, Verse 62-64)
Der Anfang des Wissens und der Wahrheit ist, Wissen über Gott, den Allmächtigen, zu erlangen und Ihn kennenzulernen. Dies ist das einzige Ziel und der einzige Zweck. Ali Ibn Abu Talib (r.a.) sagte: „Über Gott zu wissen und Ihn kennenzulernen ist ein Schatz der Dankbarkeit, der jede Wissenschaft in sich sammelt. Allah nicht zu kennen ist ein Zeichen des Unglaubens.´´ Diejenigen, die Allah kennen, befreien sich von der Angst vor der Hölle oder dem Verlangen nach dem Paradies und suchen die Liebe und Zuneigung Gottes und seine Wohlgefallen.

Der Talip, der entschlossen ist, Allahs Weg zu gehen, sucht seinen Meister mit der reinen Absicht ,,Wer ist mein Murschid?´´. Wenn der Diener mit fortdauernder Reue und der Bitte um Vergebung, zu Allah betet und sagt ,,Mein Herr bringe mich in den Führungsring eines Kamil Murschids, der mich zu dir bringen wird.´´, wird Allah dieses Bittgebet erhören und ihn abhängig von dessen Iman, Aqida, Zuneigung und Fähigkeiten mittels eines Weges, einer Vermittlung oder eines Zeichens, das aus der verborgenen Welt kommt, in die Gegenwart eines Kamil Murschids schicken. Allah hält seine Gaben nicht zurück, wenn dieser Diener zu Ihm kommen möchte.

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