Wird – die tägliche Dhikr-Übung

Das offenkundige bzw. laute (Jahri/Djahri/Cehri) Dhikr findet seinen Ursprung bei Imam Ali (Möge Allahs Wohlgefallen auf ihm sein). In der Qadiriyya Tariqa wird das Dhikr (Lobpreisung, Gedenken Allahs) offenkundig vollzogen. Zu dem Fundament der Qadiriyya Tariqa gehört, dass das TawhidLa ilahe ilallah“ und Lafza-i JalalAllah“ sehr viel rezitiert werden. So werden auf dem Qadiriyya Muhammediyya Weg das „La ilahe illallah“ und „Allah“ sehr oft rezitiert. Schließlich bleiben Himmel und Erde allein durch das Tawhid (La ilahe ilallah – es gibt keine andere Gottheit außer Allah) an ihrem Platz.

Man sollte nicht vom Dhikr des Tawhid und dem Namen Allahs ablassen. Allah hat das Bittgebet des „Ism-i Azam“ in dem Namen „Allah“ verborgen. Auch in dem Tawhid „La ilahe ilallah“ steckt dieses wertvolle Bittgebet. Ein Sufi, der Beides beim Dhikr rezitiert, hat in dem Sinne das ganze Asma-ul Husna (die schönsten Namen Allahs) rezitiert. Die Quelle des Marifatullah (Erkenntnis über Allah) ist Dhikr. Wir sollten Allah, ob durch das Rezitieren Seines Namens oder des Tawhids, oft gedenken.

Die erste Stufe zum Marifatullah (Erkenntnis über Allah) ist Dhikr. Nach dem Dhikr folgt Jazba, der Zustand der spirituellen Trance. Auf die spirituelle Trance hin folgt Ashqullah (der Grad der höchsten Liebe, die man gegenüber Allah fühlt). Nach Ashqullah gewinnt man erst Marifatullah, die Erkenntnis über Allah.

Ein Derwisch ist jener, der Allah Tag und Nacht lobpreist.  Jeder empfindet Freude an seiner eigenen Kunst. Der Derwisch empfindet Freude in seinem Dergah (Sufi-Herberge) und es ist für ihn ein Genuss, am Dhikr teilzunehmen. Wenn der Sufi Dhikr macht, nehmen Himmel, Erde und Meere der Schöpfung daran teil. Schließlich gibt es keine Existenz, die ihren Schöpfer nicht preist. „Ihn preisen die sieben Himmel und die Erde, und wer in ihnen ist. Es gibt nichts, was Ihn nicht lobpreist; ihr aber versteht ihr Preisen nicht. Gewiß, Er ist Nachsichtig und Allvergebend.“ (Sure 17, Vers 44)

Dem Dhikr des Sufis schließt sich das Dhikr anderer Lobpreisenden an. So gleicht sein Dhikr einem Fluss, der, wenn er in das Meer mündet, zum Meerwasser wird; so mischt sich auch das Dhikr der Sufis mit dem der Awliya und Propheten und auch ihre Bittgebete und Gottesdienste fließen ineinander. Mit ihnen zusammen gewinnt der Sufi für sein Dhikr und seine Gottesdienste unendliche Hasanat (Verdienste).

Sobald die Anhänger des Dhikrs zu lobpreisen beginnen, nehmen die Häuser, in welchen sie sich befinden, auf ihre Art und Weise am Dhikr teil. Auch die Engel des Himmels und der Erde tragen zum Dhikr bei. Alles Sein verspürt Freude am Dhikr. Sobald ein fehlgeleiteter Mensch stirbt,  freuen sich Himmel, Erde und Orte, an denen dieser sich befand. „O mein Schöpfer, Du hast diesen Leugnenden von mir genommen. Ich fühlte mich belästigt und war traurig, dass er auf mir lief. Wie gut, dass Du uns von ihm befreit hast.“ Sobald jemand von den Gefolgsleuten des bezeugenden Glaubens und des Dhikrs stirbt, trauern sein Haus, sein Gebetsplatz und alle Orte an denen er saß und stand in ihrer Art und Weise „O unser Schöpfer, mit Deinem Dich lobpreisenden Geschöpf verspürten wir Glück.“ Deshalb sollten wir Allah so viel es geht lobpreisen und gedenken.

Ob wir die Gebetswaschung (Wudhu) haben oder nicht – wir sollten, wo auch immer wir sind, nicht auf das Dhikr verzichten. Wir sollten viel Dhikr machen, schließlich reift der Mensch durch das Dhikr zur Vollkommenheit heran. So haben auch die Awliya (heilige Gottesfreunde) die Vollkommenheit durch das Dhikr erreicht.

Allah verkündet: „[…] Zu Ihm steigt das gute Wort hinauf, und die rechtschaffene Tat hebt Er (zu sich) empor. […]“ (Sure 35, Vers 10) Allah der Erhabene erwidert diesem also. Auf diese Weise beginnt das Geschöpf eine Konversation mit Allah.

Der Gesandte Allahs verheißt: Sobald das Geschöpf den Namen Allahs rezitiert, folgt darauf die göttliche Erwiderung mit ‚Hier bin Ich. Sprich, mein Geschöpf. (Was ist dein Anliegen?)’. Allah erwidert ausnahmslos jedes Dhikr.

Nachdem der Sufi der Qadiriyya Tariqa sein Rabita wie zuvor beschrieben vollführt hat, übt er im rituell reinen Zustand (Wudhu) seine tägliche Dhikr-Aufgabe Wîrd aus:

1 mal Sure al-Fatiha

1 mal Sure an-Nasr

3 mal Sure al-Ikhlas

100 mal Basmala-i Sharif „Bismillahirrahmanirrahim

100 malAstaghfirullah“ und zum Schluss “Astaghfirullah al-Azîm al-Karim ellazî lâilahe illâ Hû al-Hayya’l-Kayyuma wa atûbu ilayh

100 mal Salawati Sharif „Allahumma salli ala Muhammedin wa ala alihi wa sahbihi wa sallim

Zwischen 300 und 1000 Tawhid “Lailaheillallah

und zum Schluss “ Lâilaheillallâh al-maliku’l-hakku’l-mubîn muhammedun rasûlullah sâdiku’l-wa’di’l-emîn

Zwischen 1000 und 3000 Lafza-I Jalal “Allah

und zum Schluss „Allah jalla jalaluhu wa amma nawâluhû wa lâilahe gayruh

500 mal   „Ya Latîf

Im Anschluss der täglichen Dhikr-Aufgabe Wîrd spricht man diese Dua von Abdulqadir Gilani:

Alhamdulillâhi rabbi’l-âlemîn, wa’s-salâtü wa’ssalâmu alâ Muhammedi’w-wa alâ âlihî wa sahbihî ajmaîn. Allâhummej’al efdalu salawâtika ebadâ, wa anmâ barakâtika sarmadâ, wa azkâ tahiyyâtika fazlaw-wa adedâ, alâ eshrafi’l-halâiki’l-insâniyyati ve majmei’l hakâiki’lîmâniyyati wa tûri’t-tajalliyâti’l-ihsâniyyati ve mahbadi’lesrârî’l-rûhâniyyati wâsidati akdi’n-nabiyyîn, wa mukaddimi jayshi’l-murselîn wa efdali’l-halki ajmaîn, hâmili liwâi’l-izzi’l-a’lâ, wa mâliki azimmeti’sh-sherefi’lesnâ, wa shâhidi asrâri’l-azal wa meshâhidi’l-anwâri’ssevâbiki’l-uwal, wa tarjumâni’l-kıdem, wa manbai’l-ilmi wal-hilmi wal-hikem, wa mazhari’l-jûdi’l-juziyyi’l-kullî, wa insâni ayni’l-vujûdi’l-ulwiyyi wa’s-suflî, rûhi jasadi’lkawnayn, wa ayni hayâti’d-dâreyn, al-mutahakkıki bi-a’lâ rutabi’l-ubûdiyyati, al-mutehalliki bi-ahlâqi’l-makâmâti’listifâiyyati, al-ashrâfi jâmiu’l-awsâf, al-halîli’l-akram wa’lhabîbi’l-a’zam, sayyidinâ Muhammediw-we alâ âlihi wa sahbihî ajmaîna wa mani’t-tabeahû ilâ yawmi’d-dîn, adede halkika wa zînete arshika wa rızâe nafsika wa midâde

kalimâtika kullemâ zakerake’z-zâkirûn wa gafele an zikrike’l-gâfilûna wa sallim taslîman kesîran kesîrâ, ilâ yawmi’l-jazâ.

Allahumma innî aseluka fayzatem-min feyazâni fazlik, wa kabzaten min-nûri sılatik, wa ansan wa farjammin bahri karamik, bi yadika’l-emru kullihî wa makâlîdu kulli shayin, fahablenâ mil-ledunke rahmataw-wa ilmaw-wa yakîna, wa asaluke yâ Allah (11 mal) en tun’ime alaynâ bi-rizâk.

Allahumma adriknâ bi-rahmatik wa ferrijnâ ammâ nahnü fîhi yâ mufarrija kerbi’l-halâyiki’l-ajmaîn, wa najjinâ mina’l-gammi wa’l-hemmi wa’k-shifi’l-huzna yâ munciya’l-muminîn, fain tawallaw fakul hasbiyallâhu lâilaheillâ hû alayhi tawakkeltu wa huwa rabbu’l-arshi’lazîm.

Subhâna rabbika rabbi’l-izzati ammâ yasifûna wa salâmun ala’l-mursalîn wa’l-hamdulillâhi rabbi’l-âlamîn. (al-Fatiha)

 

Ungefähre Bedeutung:

Oh Allah, lass den höchsten Frieden und Segen und Dein schönstes Wohlwollen, auf Muhammed (sas), dem Ehrenvollsten der Menschheit, der die Quelle der Glaubenswahrheiten ist, und auch auf all seinen Gefährten ständig und ewig sein.

Unser Prophet Muhammed (sas) ist der Körper, in dem wohltätige Erscheinungen Raum finden, er ist der Herberge geistlicher Geheimnisse, er ist das vereinende Glied des Prophetentums, der Wegbereiter aller Propheten und der Höchste unter allen Geschöpfen. Er ist der Träger der Fahne hoher Ehre und der Halter der Zügel der Überlegenheit.

Der verehrte Muhammed (sas) ist der Zeuge von Geheimnissen der Ewigkeit und der ursprüngliche Träger des Nours (Lichts) der Vergangenen. Er ist der Übersetzer der Anrede Allahs. Er ist die Quelle von Wissen, Sanftmut und Weisheit, seine gesamte Gestalt wird in den höheren und niederen Welten wie ein Augapfel gehütet und geliebt. Er ist die Seele der Erscheinungen des Diesseits und des Jenseits.

Der verehrte Prophet Muhammed (sas) ist die Quelle des Lebens im Diesseits und im Jenseits, erfüllt die höchsten Aufgaben der Dienerschaft, ist mit dem Charakter der Auserwählten beschmückt und jede seiner Eigenschaften ist eine ehrenvolle. Er ist ein überaus großzügiger Freund und ein hoher und edler Geliebter.

Oh mein Schöpfer, schenke unserem Propheten Muhammed (sas), der mit all diesen Eigenschaften beschmückt ist, und seiner Familie, seinen Gefährten und all seinen treuen Anhängern, in der Anzahl Deiner Schöpfung, der Beschmückung der Himmel, der Größe Deines Wohlgefallens und in der Anzahl und Länge aller Worte, unendlichen Frieden und Segen. Jedes Mal wenn Dich Deine Geschöpfe gedenken und auch jedes Mal wenn sie Dein Gedenken vergessen, schenke unserem geliebten Propheten bis zum Jüngsten Tag unzähligen vollkommenen Segen und Frieden.

Oh mein Allah, erweise uns ein Teil von Deinem unendlichen und übermäßigen Ozean Deiner Barmherzigkeit, ein Teil von Deinem Nour (Licht) und einen Tropfen aus Deinem Meer Deiner Freundschaft und Gnade. Der Schlüssel von Allem und jeder Angelegenheit liegt ohne Zweifel bei Dir. Schenke uns Wissen und die Nähe Deiner Gegenwart. All dies wünschen wir zu Ehren des geheimnisreichen Namens ‚Allah’. Segne uns, so dass wir Dein Wohlgefallen erzielen können.

Oh mein Allah, lass uns mit Deiner Gnade in Besitz von Erkenntnis und Auffassungsvermögen sein. Du bist der Einzige, Der die Sorgen und Bedürftigkeit der Menschen behebt. So Behebe auch unsere Sorgen und Bedrängnis. Errette uns von unserer Trauer, unseren Sorgen und unserem Kummer.

Oh Erhabenster aller Großzügigen und Gnädigen; Mein Allah, Der an Ihn Glaubende zur Glückseligkeit führt, nimm unsere Bittgebete mit Deiner Großzügigkeit und Deiner Gnade an.

„Wenn sie sich aber abkehren, dann sag: Meine Genüge ist Allah. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Auf Ihn verlasse ich mich, und Er ist der Herr des gewaltigen Thrones.“ (Sure 9, Vers 129)

„Gepriesen sei dein Herr, der Herr der Erhabenheit, Hoch über dem, was sie beschreiben. Und Friede sei auf den Gesandten! Und alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten.“ (Sure 37, Vers 180-182)
(Âmin.)

Ya Rabb, den Verdienst dieses verrichteten Wîrds schenken wir als erstes der gesegneten und reinen Seele des Propheten Muhammed (sas), und den Seelen aller Propheten und Awliya und den Seelen aller großen Gelehrten der hohen Tariqas und der Seele des verehrten Pir Abdulqadir Gilani und unseres verehrten Scheikhs Sayyid Muhammed Efendi und den Seelen aller Verstorbenen des Ahlu Iman, so nimm dies an. Beehre die Ahlu Iman und uns mit Gesundheit und Seelenfrieden im Diesseits und mit Deinem Paradies und Deiner Schönheit im Jenseits. (Âmin)

Wenn der Sufi-Schüler Sorgen oder Wünsche hat, kann er diese in diesem Bittgebet dazu erwähnen und Allah um die Erledigung seines Anliegens bitten.

 

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